Deutsches Haus Dallgow

Restaurant / Pension / Festsaal

  • Home
  • Historie
  • Die Kirche von Rohrbeck

Die Kirche von Rohrbeck

Nordwestlich der Döberitzer Heide, auf einer der wenigen Hochflächen in der Region, liegt das Dörfchen Rohrbeck. Stiefmütterlich im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen, wird es tagtäglich von vorbeifahrenden Autos nach Berlin oder Wustermark. Wer aber den guten Kilometer Umweg von der B5 wagt, wird ein idyllisches Dörfchen vorfinden, das, wie es in einer Kirchenchronik heißt, "vom Westen wie ein an den Hang geklebtes Schwalbennest" aussieht.

Auf dem höchsten Punkt steht die Kirche, alles überblickend und von jedem gesehen. Von dort aus soll man einen phantastischen Ausblick haben, ein "Harzgebirge en miniature" liegt laut der Kirchencronik - und mit etwas Phantasie - vor einem.

Der Name Rohrbach stamme vom niederdeutschen Rorbeke, was Rohrbach oder Schilfbach bedeutet. Von Wasser ist und war jedoch weit und breit keine Spur, so deutet die Endeung "beke" wahrscheinlich nur auf das Wort Siedlung.

1313 wurde "Rorbeke" das erste Mal urkundlich als Pfarrdorf erwähnt. Zuerst zur burg Spandau gehörig, wurde das Dorf 1403 an das Kloster Spandau und 1558 zum Amt Spandau gezählt. Arge Verwüstungen wärhend des 30jährigen Krieges mußte auch das Dorf Rohrbeck hinnehmen.

Als größstes dorfgeschichtliches Datum ist der 24. September des Jahres 1826 überliefert, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit seiner zweiten Gemahlin, fürstin Liegnitz, und mit seinem Gefolge im Haus Nummer 17 in Rohrbeck übernachtete.

Um das Jahr 1900 bekam Rohrbeck den wohl größten ständig wiederkehrenden Besucherstrom überhaupt. Viele hundert Menschen waren jeden Sonntag auf der Bahnhofstraße vom Bahnhof Dallgow-Döberitz nach Rohrbeck unterwegs, um die Soldaten im Barackenlager des Truppenübungsplatzes an der Hambnurger chaussee zwischen Dallgow und Rohrbeck zu besuchen.

Die Kirche, die in der Mitte des Dorfes gelegen ist, wurde im Stil des Spätmittelalters mit Feldmauersteinen erbaut. Unter dem Putz sind sie heute noch gut sichtbnar. Die rechteckige Saalkirche bekam erst 1610 nach einem Blitzschlag ihren ersten Steinturm. Die flachen Eckpilaster und das verkröpfte Gesims weisen jedoch auf das 18. Jahrhundert hin und lassen darauf schließen, dass der Trum zu dieser Zeit erneuert wurde. Die Sakristei an der Nordseite ist noch original aus dem späten Mittelalter. Auch das Kreuzgewölbe mit Bernstabrippen und die Sakramentsnische zeugen von dem Erbauungszeitraum. Im Innenraum der Kirche fallen Leichensteiene und Gräber auf, die zum Teil aus dem Jahr 1585 stammen. Zur damaligen Zeit war es nichts außergewöhliches, die Toten innerhalb der Kirche zu beerdigen.

Ein erneuter Blitzschlag richtete 1899 erheblichen Schaden an. Im Rahmen von Sanierungsarbeiten wurde 1903 unter dem Pfarrer Wernicke die Kirche um eine Apsis und ein hölzernes Tonnengewölbe mit Zugbalken vergrößert.

Sehenswert ist vor allem die Ausstattung. Dabei ist die Ähnlichkeit mit Hauptstücken der Kirche in Dallgow frappierend. Die Kanzel, deren Renaissance-Ornamente durch Knorpelwerk erstetzt wurden, trägt die Inschrift 1695. Außergewöhlich ist, dass in den Feldern des Korbes nicht die Evangelisten, sondern Moses und Jesus dargestellt sind.

Über der Kanzel befindet sich die Inschrift: Sei getreu bis in den tod, so will ich Dir die Krone des Lebens verleihen. Der Altar ist dem in Dallgow noch ähnlicher. Bis auf die singuläre Gestaltungsweise sind Ikonografie, Akantusschmuckwerk und gewundene Weinlaufsäulen identisch.

Zu den interessantesten Ausstattungsstücken zählt der Taufengel, der vermutlich aus dem Jahr 1688 stammt. Noch bis in die fünfziger Jahre hing dieser Engel vor dem Altar und mußte bei den Gottesdiensten aus Platzgründen hochgezogen erden. Seit 1971 befindet sich dr engel jedoch an einem anderen Platz seitlich im Chorraum.

Weitere Ausstattungsstücke der Rohrbecker Kirche sind eine Argel aus dem Jahr 1893, die 1983 zwei pneumatische Register und erst kürzlich eine meachanische Traktur bekam, sowie der durch einen Bauern namens Erbs gestiftete Kronleuchter aus dem Jahr 1905.

Peggy Kropmanns in: Falkenseer Stadt-Jornal, 8. Jahrgang 1/99, Seite 17